Ernährung von trächtigen und säugenden Hündinnen

29.08.2020 13:36

Gerade bei Zuchthündinnen ist die bedarfsgerechte ausgewogene Ernährung besonders wichtig, weil ihre Fruchtbarkeit und die Vitalität der ungeborenen Welpen entscheidend durch die Nährstoffversorgung der Hündin beeinflußt werden. Daher muß die Nahrung alle Nährstoffe in den richtigen Mengen enthalten.
Während der Hitze der Hündin sollte die Mahlzeit um ca. 10 % gesteigert werden, weil dann häufig mehr befruchtungsfähige Eier gebildet werden und so die Konzeptionsrate gesteigert wird.
 

Trächtigkeit

Hat die Hündin zu Beginn der Trächtigkeit ihr normales Gewicht, brauchen Sie die tägliche Ration bis zur 5. bis 6. Trächtigkeitswoche nicht zu steigern. Zunächst ist der Energie- und Nährstoffbedarf mit dem normalen Erhaltungsbedarf vergleichbar.
Die befruchteten Eier nisten sich nicht sofort, sondern erst nach 2 - 3 Wochen nach der Belegung in die Gebärmutter ein. Der zusätzliche Bedarf an Nährstoffen ist bis zur 6. Trächtigkeitswoche sehr niedrig. Dagegen wachsen in den letzten 4 Wochen die Foeten sehr schnell, zusätzlich baut die Hündin eigene Körperreserven für die Zeit nach der Geburt, die Säugephase, auf. In der Grafik wird der Mehrbedarf an Energie der trächtigen Hündin dargestellt:


In der Phase des schnellen Wachstums der Foeten benötigt die Hündin mehr Energie und insbesondere mehr an Protein, Kalzium und Phosphor. Die folgende Tabelle gibt die Körperzusammensetzung neugeborener Welpen an und macht den Mehrbedarf der Hündin an Energie und Nährstoffen deutlich.

Körperzusammensetzung neugeborener Welpen

(pro kg LM)

Welpen

Wasserg800
Rohprotein (N x 6,25)g150
Rohfettg14
Rohascheg27
EnergieMJ0,43
Kalziumg6,30
Phosphorg4,60
Magnesiumg0,26
Natriumg1,90
Kaliumg2,10
Eisenmg82,40
Kupfermg3,70
Zinkmg22,40


Damit sich die Foeten optimal entwickeln können, sollten Sie ab der 4.- 5. Trächtigkeitswoche die tägliche Ration um bis zu 40% bis zum Ende der Trächtigkeit steigern.
Gegen Ende der Trächtigkeit sollten Sie die tägliche Ration in bis zu 3 Mahlzeiten aufteilen, weil sich die Gebärmutter stark ausdehnt und dadurch die Aufnahmefähigkeit für Nahrung abnimmt. Zusätzlich empfiehlt es sich, im letzteren Drittel der Trächtigkeit die Hündin auf eine besonders konzentrierte Vollnahrung, schrittweise umzustellen. Neben der Entlastung der Verdauung durch geringere Nahrungsmengen hat die Ernährung mit einer besonders konzentrierten Vollnahrung den Vorteil, daß die Hündin ihren hohen Energie- und Nährstoffbedarf für die Milchbildung optimal decken kann. 1 - 2 Tage vor dem erwarteten Wurftermin sollten Sie die Futtermenge reduzieren, damit die Hündin während der Geburt entlastet wird.
 

Säugeperiode

In der Säugeperiode erbringt die Hündin eine sehr hohe Leistung. Je nach Welpenzahl, Milchleistung und Stadium der Säugeperiode kann der Energiebedarf bis auf das 3-fache des Erhaltungsbedarfs ansteigen, wie die folgende Abbildung deutlich macht.


Ein wichtiger Grund für den hohen Energiebedarf liegt darin, daß Hundemilch sehr energiereich ist, sie liefert pro ml mehr als doppelt so viel Energie wie Kuhmilch. Auch sind in Hundemilch die Gehalte an Protein, Fett, Calcium und Phosphor deutlich höher (siehe nachfolgende Tabelle).

Vergleich: Zusammensetzung von Hunde- und Kuhmilch

HundemilchKuhmilch
Trockensubstanz (%)22,812,4
Protein(%)8,43,3
Fett(%)9,83,8
Laktose(%)3,54,7
Calcium(%)0,240,12
Phosphor(%)0,220,10
Umsb. Energie (MJ/100 g)0,650,28



Für die Ernährung der säugenden Hündin bedeutet dies, dass die Nahrung hohe Gehalte an umsetzbarer Energie enthalten und hoch verdaulich sein muss. Hohe Fettgehalte, z.B. 21% im Hunde-Trockenfutter, bewirken eine hohe Energiedichte. Hohe Gehalte an Linolsäure gewährleisten, dass die Hündin ihren eigenen Bedarf decken und ein hochwertiges Milchfett produzieren kann. Die Nahrung muss genügend hochwertiges Eiweiß liefern, damit die Hündin genügend Milch mit hohem Eiweißgehalt für die Welpen bilden kann.
Auch alle anderen Nährstoffe, z.B. Mineralstoffe und Vitamine, müssen in gesteigerten, für Erhaltung und Milchbildung ausreichenden Mengen in der Nahrung enthalten sein.


Quellen:
Autor: Dr. Georg Sanders, Tierernährungsexperte im Consumer Service
Tabelle Zusammensetzung Welpen: STADTFELD 1978, Gesellschaft für Ernährungsphysiologie, 1989